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NEWS : barriereFREI von Kopf bis Fuß - persönlicher Bericht vom 23.2.2016
01.04.2016 18:33 (1019 x gelesen)

„barriereFREI von Kopf bis Fuß“

mein persönlicher Bericht dazu:
Die erste Veranstaltung der gestarteten Reihe rund um das Thema „barriereFREI von Kopf bis Fuß“ war ein voller Erfolg. Großes Interesse und viele bekannte Gesichter aus dem Kreis der Gewerbetreibenden, der sozialen Einrichtungen, ortsansässiger Unternehmer und  vor allem aus der Kommunalpolitik waren beim Auftakt in der Festen Burg in Böblingen am 23. Februar 2016 anzutreffen.

Zu Beginn wurde das Projekt mit all seinen Ideen und Anregungen von mir vorgestellt. Auch die wichtigsten Eckdaten über meine Person und meinen beruflichen Werdegang brachte ich den Anwesenden zum besseren Verständnis meines Handelns näher. Dann ging es aber direkt ins Tun.

Das Inklusionsprojekt des Rallye Club Böblingen (bei dem ich als zweiter Vorstand fungiere) „MOTORSPORT & INKLUSION“ diente als Brücke und zur Visualisierung des positiven Miteinanders.

Der RCB hatte wider allen Unkenrufen im April 2014 das gemeinsame Training von Kindern mit und ohne Handicap gestartet und so bewiesen, dass es für beide Seiten eine unglaubliche Bereicherung darstellt und dass es einfach Spaß macht, den Horizont zu erweitern. „Geht nicht, gibt’s nicht“ und so suchte und fand der Böblinger Verein eine Möglichkeit Gutes und Nützliches miteinander zu verbinden. Seit diesem Zeitpunkt ist der Deutsche Motorsport Verband, zu dem der Verein zählt, ebenfalls der Meinung, dass Motorsport und Inklusion gut miteinander harmonieren. In dem gezeigten Kurzfilm brachte Ulrich Schwarz, als Erster Bürgermeister der Stadt Böblingen und als beeindruckter Beobachter des Trainings, die Sinnhaftigkeit von Inklusion und barrierefreiem Denken auf den Punkt.

Als erster Referent schilderte SPD-Stadtrat Florian Wahl von seiner Initiative „Quo Vadis Schlossberg“ und unserer ersten Begegnung. Schon damals hatte ich Ideen für einen barrierefreien Schlossbergring im Gepäck und löste mit meiner unkonventionellen und quergedachten Herangehensweise Erstaunen aber auch Interesse hervor. Florian Wahl betonte die Wichtigkeit des Miteinanders und verwies auch auf das sich im Entstehen befindliche Teilhabe-Gesetz. Auch die Fördermöglichkeiten schnitt er kurz an. Also definitiv keine „Gutmensch-Aktion“, sondern eine Chance für die Stadt sich hier eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu schaffen.

„Das Teilhabe-Gesetz in der aktuellen Fassung gibt es auch in einfacher Sprache“, brachte ich abschließend noch mit ein und ließ dazu eine Kopie im Publikum durchgehen.  Wieder eine gute Überleitung um den Mehrwert von „barriereFREI“ für alle sichtbar und verständlich zu machen. Texte und Inhalte in einfacher Sprache zu formulieren und darzustellen ist bei Gesetzestexten ein großer Vorteil auch für Menschen, die zwar keine Behinderung haben, aber mit Gesetzestexten nicht vertraut sind. In einfacher Sprache werden Inhalte so weit reduziert, dass wirklich nur die wesentlichen und entscheidenden Inhalte beschrieben werden. „Reduced to the max“- nicht nur in der Design-Sprache ein Begriff, sondern auch eine Erleichterung für eine Verständigung unterschiedlicher Menschengruppen.

Dass eine Einschränkung bei behinderten Menschen durchaus nicht als solche wahrgenommen werden, brachte Jasmina Hostert in einer sehr persönlichen und bewegenden Beschreibung ihrer Gefühle und Gedanken, den Anwesenden nahe. Der SPD-Vorsitzenden und Mutter wollte man als Kind klarmachen, dass sie nur ein „ganzer“ Mensch wäre, wenn sie eine Armprothese tragen würde. Dieser Fremdkörper stellte aber das wahre Handicap dar und es dauerte lange bis das Umfeld, das akzeptieren konnte. Über den Tellerrand zu schauen war in diesen zwanzig Minuten angesagt. Das Hinterfragen was denn wirklich und für wen ein Handicap ist, oder wer eine Behinderung sieht, ohne dass diese vom „Behinderten“ als solche empfunden wird. Mit sich zufrieden zu sein und anderen diese Zufriedenheit mit der eigenen „Unvollkommenheit“ zu vermitteln brachte für manchen Zuhörer ein besonderes Aha-Erlebnis.

Neurologische Behinderung ist noch schwerer zu begreifen oder nach außen zu tragen. Am Beispiel einer Asperger Autistin gab ich erste Eindrücke in die Gedanken- und Gefühlswelt, die ich zusammen mit Ihr, Tanja Norman, in einem Buch festhalte. Das Vorwort mit der Begründung für das Buch las ich vor, denn das Ziel dieses ganz persönlichen Werkes ist klar definiert: „Ich möchte, dass man uns versteht. Ich möchte, dass meine Kinder, die ebenfalls Asperger Autismus haben, besser verstanden werden und so leichter durch Leben gehen können.“ Tanja selbst hatte erst mit 30 Jahren ihre Diagnose erhalten. Erst dann wusste sie, dass dieses „Komischsein“ auch einen Namen hat!“

Was normal ist und was nicht entscheidet jeder Einzelne für sich selbst. So ging es ohne Abbruch zu Timo Ameruoso weiter, der den Abschluss und das besondere Highlight des Abends darstellte.

Klar ist es nicht leicht mit mehreren Unfällen und deren Konsequenz, einer Querschnittlähmung, klarzukommen. Aber es hat letztendlich Timo Ameruoso genau zu dem gemacht, was er heute ist. Ein erfolgreicher Pferde-Mediator, der weltweit Anerkennung für seine Arbeit erhält und Pferdebesitzern mit und ohne Handicap den stressfreien Umgang mit ihren Pferden beibringt. Timo lieferte mit seiner unbeschwerten und unterhaltsamen Art und Weise einen nachhaltigen Eindruck, wo die Reise mit „barriereFREI von Kopf bis Fuß“ hingehen soll.

Im Anschluss an die vielschichtigen Beiträge gab es noch reichlich Austausch zwischen Besuchern und Referenten. Themen für die nächste Veranstaltung wurden gefunden und gemeinsame Aktionen angedacht. Das Querdenken ist somit in Gang gekommen und die Barrieren im Kopf fangen an zu bröckeln.

Und genau das ist das Ziel: „barriereFREI von Kopf bis Fuß“ ein Motto und eine Marke für unser künftiges und wertvolles Miteinander.

Die nächste Veranstaltung findet am 4. Mai 2016 wieder um 19 Uhr in der Festen Burg in der Sindelfingerstr. 9, 71032 Böblingen statt.

Ein großer Dank an dieser Stelle an den Kirchengemeinderat der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Böblingen, die dafür ihre wertigen Räumlichkeiten im barrierefreien Gebäude kostenfrei zur Verfügung stellt.


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